Warum schreibe ich über Tango und Yoga?

Im zweiten Teil meiner BDY Abschlussarbeit im Rahmen meiner vierjährigen Yogalehererausbildung habe ich, trotz Abraten meiner Yogalehrerin, über die Verbindung von Tango Argentino und Yoga geschrieben. Meine Yogalehrerin war der Auffassung Tango sei „Macho Getue“ und habe nichts mit Yoga gemeinsam. Für mich ist Tango ebenso wie Yoga eine Kunst und eine Philosophie, die uns dazu befähigt, über bestimmte durch den Körper erfahrene Prinzipien, Magie und Heilung in unser Leben zu bringen. Aus diesem Grund war es mir ein großes Anliegen herauszuarbeiten, warum beide Künste voneinander profitieren können.

Eine Idee von mir war schon immer, Yoga auch deshalb regelmäßig zu praktizieren, um dadurch den Körper vorzubereiten für andere Ausdrucksformen. Die heilige Geometrie der Anatomie ist Voraussetzung für alle Körperkünste, die ich kenne. In der Anmut und Leichtigkeit einer ökonomischen Bewegung mit möglichst viel Bewusstheit zu fließen, ist das beste Fundament, für jegliche Ausdrucksformen des Körpers.

Warum nun aber gerade Tango?

Mehr als vielleicht alle anderen Tänze, ist der Tango verbunden mit Leidenschaft und Dualität, also gerade das, wovon wir uns beim Yoga durch stilles Beobachten und stetige Praxis distanzieren wollen. Darin steckt für mich schon die Antwort: Systeme, die sich vermeintlich widersprechen, können durch eine Zusammenschau zu noch mehr Einheit führen. Und das ist es schließlich worum es beim Yoga geht.

Aus diesem Grund werde ich für dich jetzt nach und nach alle Geheimnisse, die der Tango mich gehlehrt hat, lüften.

In seinem Buch, Tango die Essenz, schreibt Ralf Sartori über die Grundprinzipien des Tango. Ich möchte diese Essenzen eine nach der anderen beschreiben und in einen Zusammenhang zum Yoga setzen, sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Künste herausarbeiten. Und heute bekommst du erst mal eine kurze Einführung in die Geschichte des Tango.

Tango eine kurze Einführung

Tango: Eine Philosophie die man tanzen kann.Ralf Satori

Ganz ähnlich wie beim Yoga oder bei den Kampfkünsten liegt der Tanztechnik beim Tango ein philosophisches Konzept zu Grunde, dass sich vollständig nur durch die Ausübung dieser Technik erfahren lässt. Wobei diese Technik eben nicht nur eine Technik, sondern vielmehr ein hingebungsvolles Einüben und ein „In Verbindung-Sein“ ist. Nur so entfaltet sich der wesenhafte Geheimniskern des Tango.

Tango gründet auf einer Kultur der Achtsamkeit

Die Wurzeln des Tango gehen zurück auf eine Gesamtkultur aus Musik, Textdichtung, Literatur, Tanz und der Gestaltung festlichen Gemeinschaftslebens, das auf Achtsamkeit gegründet war. Das war die Goldene Ära des Tango zwischen 1920 und 1940, die der urbanen Gesellschaft am Rio de la Plata entstammte.

Ein Tanz der Unterwelt

In seiner Anfangsperiode um 1870 jedoch, war der Tango ein Kind der Strasse, ein Tanz der Unterwelt. Herausgeputzte Kleingangster, ähnlich den heutigen Rappern, betätigten sich als Zuhälter und identifizierten sich mit der Tangokultur. Sie benutzten den Tanz um potentiellen Kunden „ihre Mädchen“ vorzuführen und sich zu messen: in tänzerischer Kunstfertigkeit, Eleganz und Unerschrockenheit. Daher vermutlich auch die Idee meiner Yogalehrerin, Tango sei ein Macho Tanz.

Zu dieser Zeit gab es auch immer wieder Messer-Duelle, deren raubtierhafter kühl gemessener Schritt, wie auch die universellen Kampfkunstprinzipien und das entsprechende Bewegungs-Repertoires im Schöpfungsprozess des Tangos Eingang gefunden hatte.
Das wiederum macht die Sache für mich noch viel spannender. Ich habe viele Jahre lang begeistert Wing Tsun Kung Fu praktiziert und freue mich sehr diese Bewgungsästhetik in den Tanz spielerisch einfließen zu lassen.

Tango kommt nach Berlin

Durch Carlos Gardel, ein Sänger und Schauspieler, wurde die Tangokultur in ihrer ersten Globalisierungswelle, nach Paris und dann auch in andere europäische Hauptstädte getragen. 1982 war die Melancholie von Buenos Aires in Berlin eingetroffen. Am Anfang war Tango nur eine Randerscheinung, doch mittlerweile ist die Tango-Szene, ähnlich der Yoga-Szene, stark kommerzialisiert, und zumindest in Teilen zu einem künstlichen Lifestyle- und Wellnessgeschäft weich gespült.

Diese Informationen habe ich aus dem Buch: Tango, die Essenz von Ralf Satori, dass ich weiter oben verlinkt habe. Falls du dich näher mit der Magie des Tango beschäftigen möchtest, lege ich dir dieses Buch sehr ans Herz. So viel für heute.

Let´s create magic

Deine

Milena

Bildquelle: Flickr; Angie Chung

von Milena Klingel
Als Gründerin von Boost your Om ist es Milena ein Herzensanliegen alle ihre Erfahrungen aus langjähriger Tätigkeit als Ergotherapeutin und Yogalehrerin jetzt mit noch mehr Menschen teilen zu können. Kreativ, wild und frei lädt sie immer wieder dazu ein der inneren Stimme zu vertrauen und im Alltag ein Leben voller Selbstliebe und Magie zu verwirklichen.

    4 Kommentare

  1. Katharina Balande 17. November 2016 at 19:54 Antworten

    Hallo Milena

    Ich finde gut, dass du über das schreibst, was dich wirklich bewegt!
    Das einzige, was im Yoga meiner Meinung nach keinen Platz hat, sind so pauschale Aussagen…

    Viel Erfolg bei der Arbeit!

  2. Robert James kuehl 20. November 2016 at 22:04 Antworten

    Hi Milena,
    Wow ! Das ist es…Tango und Yoga -genau…
    Ich fange im Februar eine 4 jährige BDY Ausbildung als yogalehrer an.und da ich leidenschaftlicher tangotänzer bin, überlege ich wie ich die beiden kombinieren kann😌
    Bin gespannt auf den Beitrag.
    Schöne Grüße aus Stuttgart
    Robert

  3. Milena Klingel 21. November 2016 at 9:23 Antworten

    Lieber Robert,
    Ohhh wie schön. Dann wünsche ich dir viel Spaß bei der Ausbildung und natürlich weiterhin beim Tango…wenn du mal in Berlin bist lass zusammen tanzen gehen 😊 Liebe Grüße Milena

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