Beseelte Bewegung

Stellst du dir auch manchmal die Frage wie du mehr Ausdruck in deine Bewegungen bringen kannst?  Für mich ist es von großer Bedeutung, dass meine Bewegungen nicht „leer“ sind. Ich möchte mein Bewusstsein ausdehnen bis in jede Zelle hinein um die Materie voll und ganz mit Geist zu durchdringen. Die Einheit die dann entsteht, ist Yoga. Alles andere ist Gymnastik. Nicht das Gymnastik nicht auch seine Berechtigung hätte und sicherlich auch hübsch anzusehen ist, insbesondere wenn die Posen groß und raumgreifend sind. Yoga jedoch hat eine andere Qualität. Mehr Tiefe könnte man vielleicht sagen, ohne es zu bewertend zu meinen.

Um diese Tiefe zu erreichen gibt es zwei unterschiedliche Herangehensweisen.

Zwei verschiedene Herangehensweisen an die beseelte Bewegung

1.Die äußere Form hat Einfluss auf dein inneres Erleben

2.Dein inneres Erleben formt deine Bewegungen

 

So wie Außen auch Innen

Wenn du dich in einem angeleiteten Yogaunterricht befindest, wirst du wahrscheinlich die erste Variante praktizieren. Du verbindest dich mit deinem Atem und versuchst die vorgegebenen Asanas so genau wie möglich auszuführen. Die äußeren Haltungen bewirken etwas in deinem Inneren. Ob es dir bewusst ist oder nicht, wenn du eine gewisse Zeit in einer Vorbeuge verbracht hast, wird sich dadürch natürlicher Weise ein Gefühl der Hingabe und Demut einstellen. Wenn du in der Berghaltung die Füße gedanklich tief in der Erde verwurzelst und den Kopf zum Himmel schweben lässt, wird dies auch etwas mit deiner inneren Aufrichtung machen. Du wächst in deine volle innere Größe. So wie Außen auch Innen lautet der geheime Zauberspruch, der dazu führt, dass wir uns nach einer Yogastunde so beschwingt und frei fühlen.

 

So wie Innen auch Außen

Wenn du nun aber zu Hause übst, was ich dir übrigens sehr empfehle, dann kannst du einmal den umgekehrten Weg ausprobieren.

Lesetipp: Yoga zu Hause: Mit diesen 3 Tipss klappt es

Auch in diesem Fall verbindest du dich natürlich zu allererst mit deinem Atemfluss. Du beobachtest nun alle Empfindungen, Gefühle und Gedanken, die in diesem Moment in dir sind. Und dann lass sich alles was in dir ist ausdrücken durch deine Bewegung und gerne auch durch deine Stimme. Folge ganz intuitiv deinen Bewegungsimpulsen, verharre in einer Position so lange bis sich die entsprechende Spannung löst. Schüttle, rüttle, springe, krampfe, löse, purzle und dehne dich so wie es gerade entsteht. Die Bewegungen werden sich vielleicht ungewohnt anfühlen und mit Sicherheit sieht das alles ziemlich seltsam aus. Kümmere dich nicht darum! Es geht hierbei um dich. Um deine innere Wahrheit, die du Schicht für Schicht freilegst indem du Spannungen löst und erlaubst.

Diese Art des Bewegens ist in meinen Augen die beste Medizin. Und so gesehen die fortgeschrittene Variante. Auch wenn die Asanas unter Umständen nicht halb so imposant aussehen, wie bei der ersten Variante.

Verbinde dich mit deinem Atem

Egal welche der beiden Varianten du übst, das Wichtigste ist, dass du dich immer zu Erst mit deinem Atem verbindest. Einfach nur dem natürlichen Atem zu lauschen ist das aller Beste um mit dir und all deinen Empfindungen in Kontakt zu kommen. Die Voraussetzung für eine beseelte Bewegung ist also, dass du mit dir in Kontakt bist. Mit allem was dich ausmacht und was du in diesem bestimmten Moment spürst.

Und in den meisten Fällen sind das nicht nur schöne Empfindungen. Erlaube dir deshalb auch Bewegungen und Geräusche zu machen, die nicht schön sind, vielleicht sogar „hässlich“ sind. Das ist übrigens auch einer der Hauptgründe, warum ich jedem eine Home Praxis empfehle. Es ist einfach ein Unterschied, ob man gemeinsam in der Gruppe ein eher aufgesetztes „ahhhhhh“ stöhnt, weil der gut gemeinte Hinweis der Yogalehrerin, da könne sich vielleicht etwas über den Klang lösen, ein allgemeines Raunen durch den Raum ertönen lässt, oder ob du ganz alleine für dich wirklich dann einen Ton von dir gibst, wenn er eben gerade kommt.

Verspannungen sind oftmals verklebte Emotionen

Einige der Verspannungen, die wir in unseren Körpern verspüren, haben einen physischen Ursprung. Sei es eine Fehlhaltung beim Arbeiten am Computer oder eine ungesunde Ernährungweise. Die meisten Verspannungen jedoch, behaupte ich, sind verklebte Emotionen.

Die Gefühle, die wir nicht spüren wollen, weil sie uns Angst einjagen. Das was wir wegdrücken, weil es unangenehm ist.  Die feinstoffliche Schwingung der Gefühle verdichtet sich und wird zu einer Verklebung im Gewebe.

Yoga kann dir dabei helfen nach und nach alle verklebten Emotionen aufzulösen, so dass sie in deinem Körper wieder frei fließen können. Das heißt nicht, dass du dann nicht mehr traurig sein wirst. Im Gegenteil vielleicht spürst du dann die Trauer zum ersten Mal in deinem Leben so richtig fließen. Aber dann fließt es und wird auch vorübergehen.

Ich erinnere mich noch gut an ein Yoga Retreat bei Kali Ray in München. Ich hatte all mein Geld zusammen gekratzt um von der tollen Yogameisterin zu lernen. Nach dem ersten Sonnengruß kam eine solche Welle der Trauer, dass ich mich für den restlichen Teil es Workshops im Badezimmer einschloss, um bitterlich vor mich hin zu schluchzen.

Zuerst war ich traurig ob der verpassten Gelegenheit von Kaliji zu lernen. Bis ich mir klar machte, das eben genau das meine Lernaufgabe gewesen war.

Spüren, erlauben und loslassen.

 

Yoga als Bewegungs Medizin   

Yoga ist ein umfassendes und ganzheitliches System der Heilung. Ob von Innen nach Außen oder von Außen nach Innen, alle Ebenen deines Seins werden von dieser tiefen Praxis berührt.

Wenn du ein Yogaangebot für dich nutzt, dann überprüfe ob die Tiefe der Praxis und die Art des Unterrichtens deinen Wesenskern anspricht.

Deine

Milena

Bildquelle: Lensbreaker

von Milena Klingel
Als Gründerin von Boost your Om ist es Milena ein Herzensanliegen alle ihre Erfahrungen aus langjähriger Tätigkeit als Ergotherapeutin und Yogalehrerin jetzt mit noch mehr Menschen teilen zu können. Kreativ, wild und frei lädt sie immer wieder dazu ein der inneren Stimme zu vertrauen und im Alltag ein Leben voller Selbstliebe und Magie zu verwirklichen.

    4 Kommentare

  1. Kamala 27. August 2016 at 15:26 Antworten

    Liebe Milena,

    Ich bin schon länger „stille Mitleserin“, aber nun will ich mich endlich mal zu Wort melden :-)!
    Dieser Artikel spricht mir wirklich aus der Seele!
    Nachdem es mir Ende des 1. Ausbildungsjahres der Yogalehrerausbildung gelungen ist, auch rgl. alleine Zuhause zu praktizieren, durfte ich genau das erleben, was du beschreibst!
    Und es tut einfach gut und macht Freude, die eigene Praxis entstehen zu lassen!
    Ich war manchmal ganz erstaunt, woher meine Ideen kamen, nun bestimmte Asanas auf eine bestimmte Weise usw. zu machen…
    Ich kann es nur jedem empfehlen, es auch zu probieren, ihr werdet erstaunt sein, was ihr euch selbst für eine tolle Stunde geben werdet!:-)

    Liebe Grüße Kamala

    • Milena Klingel 27. August 2016 at 15:38 Antworten

      Liebe Kamala,
      es freut mich wirkliche sehr zu hören, dass dir die Home Praxis genauso gut tut wie mir 🙂

      ganz liebe Grüße

      Milena

  2. Katharina Balande 27. August 2016 at 17:18 Antworten

    Liebe Milena

    Deshalb bin ich auch so ein grosser Fan von Heimyoga: Ich kann es an meine Tagesform anpassen.
    Nicht, dass mir das Studio nicht auch gut täte, aber meine Yogalehrerin kann schlecht ihr Programm nur an mich anpassen 🙂

    Liebe Grüsse
    Katharina

Hinterlasse ein Kommentar