wounds wisdom

Zunächst einmal will ich dir sagen, dass ich diesen Artikel nicht aus der Position derjenigen schreibe, die weiß wie es geht. Vielmehr nähere ich mich diesem Thema aus der Notwendigkeit heraus, selber zu explorieren was hinter meinem Schmerz steckt.

Hilfe! Yogalehrerin mit Schmerzen 

Schon seit langer Zeit leide ich immer mal wieder an Migräne. Dieser seltsame, stechende Schmerz, der mich so richtig ausnockt. Als Kind nur selten und in den letzten Jahren immer öfter.

Trotz Yoga und gesunder Ernährung – jedenfalls die meißte Zeit- und obwohl ich selbst als Yogalehrerin arbeite und versuche anderen Menschen dabei zu helfen, ihre eigenen Schmerzen zu verstehen und loszulassen.

Das ist auf den ersten Blick schon seltsam und es ist auch nichts, worüber ich als Yogalerherin mit Leichtigkeit schreibe. Denn im Grunde genommen schwebte mir da lange Zeit schon so ein Bild von einer stets glücklichen, in der Fülle lebenden Frau vor meinem inneren Auge herum. Klar man muss doch seinen Weg schon gegangen sein um anderen dabei helfen zu können ihren zu gehen, oder nicht?

Was wenn man noch mitten im Prozess steckt? Was wenn man einen Raum eröffnet, in dem gemeinsam bestimmte Prozesse in Gang gesetzt werden? Was wenn bestimmte Schmerzen nicht nur individell sondern auch kollektiv gelöst werden wollen?

Und in letzter Zeit stelle ich mir da, wenn ich an eine Yogalehrerin denke, immer weniger eine Person vor, die schon alles weiß und ihr Wissen dann an die fleißigen Schüler weitergibt. Sondern vielmehr eine Person, die den Mut hat, bestimmte Räume zu eröffnen, in denen sich dann jeder als Akteur und Schhöpfer einbringen kann.

Ja das ist herausfordernd und bedarf einer gewissen Hinwendung zur eigenen Willenskraft und Intuition. Denn natürlich ist es leichter in eine vorgefertigte Stunde zu gehen, in der ich einfach nur passiv komsumiere, was die Yogalerherin mir vorgibt.

Um einen wirklichen Reifungsprozess in Gang zu setzen, ist Eigeninitiative jedoch unerlässlich! Einmal die Woche Yoga im Sudio, um das schlechte Gewissen zu beruhigen und ansonsten immer schön Weiter im Gleichschritt – ist nicht!

Nee schon klar ist ja besser als nix! Aber seien wir doch mal ehrlich: Was wollen wir denn eigentlich nochmal genau vom Yoga?

Vielleicht doch, dass ein paar Pfunde purzeln?

Reifungsprozesse bedürfen der Eigeninitiative

Ich freue mich so sehr zu hören, wenn Schüler mir erzählen, dass sie zu Hause geübt haben und wie sich dadurch Schritt für Schritt ihr Leben verwandelt hat. Ich freue mich, wenn meine Schüler anfangen ihren eigenen Körper zu explorieren, und ja sehr wahrscheinlich stoßen sie dann früher oder später auch – wer hätte das gedacht – auf Schmerz.

Schmerz also! Hat das jeder oder gibt es sie wirklich die immer glücklichen und stehts in Urlaub fahrenden Facebook Familien?

Die Frage kannst du dir selber beantworten.

Was also passiert wenn wir uns dem Schmerz zu wenden?

Schmerz entsteht durch eine Stagnation. Energie kann nicht fließen und steckt sozusagen an einer bestimmten Stelle im Körper fest. Wie es zu so einer Stagnation kommen kann, erklärt Patanjali in den Yogasutras.

Kleshas – die verschiedenen Ursachen des Leidens

  • avidyā ist die Unwissenheit über das Wesen des Selbst
  • asmitā ist das Festhalten an der Idee ein begrenztes, vergängliches Wesen zu sein.
  • rāga ist das Streben nach schönen Erfahrungen von denen wir annehmen darin echtes Glück zu finden.
  • dveṣa ist das Ablehnen von schlechten Erfahrungen in der Annahme, dass sie unser wahres Glück verhindern.
  • abhiniveśa ist das Festhalten am Leben und die Angst davor zu sterben.

Also überwinde jetzt endlich deine Angst vorm Tod und dann wirst du keine Schmerzen mehr haben!

Ganz so einfach ist es dann doch nicht, die fünfache Fessel zu lösen, die uns an die Welt bindet.

Aber wir könnnen uns mutig reinstürzen in das Abenteuer und anerkennen, dass wir nicht immer nur schöne Erfahrungen machen müssen. Dass Leid auch zum Leben dazu gehört und seinen Schrecken verliert, wenn wir die Annahme ablegen, es verhindere unser wahres Glück.

Es ist ja auch voll im Trend eine Kultur des Misserfolgs und ehrlichen Umgangs mit Schwierigkeiten zu etablieren.

Ich mache da mit! Ich finde das gut. Nicht immer nur oberflächliche Fake Happinez Posts, sondern ein authentisches Darstellen der eigenen Person mit allen Facetten.

Ob ich deshalb jetzt auf FB Fotos poste, wie ich mit schmerzverzertem Gesicht, gerade eine Migräne Attacke erleidend, im Bett liege, weiß ich noch nicht. Aber ich glaube du weißt was ich meine.

 

Wounds Wisdom Workshop

Dieser Workshop soll genau so ein Raum sein, indem wir uns zeigen und erforschen was dieses Phänomen „Schmerz“ genau bedeutet und wie wir unsere Energie mit der ein oder andern Yogapose, Atemübung und improvisativen Elementen wieder zum Fließen bringen können.

Larissa von Gypsie Mama und ich wir haben uns bereits auf die Reise begeben und in den Vorbereitungen zum Workshop schon interessante Entdeckungen gemacht.

Unsere Grundannahme ist, dass hinter dem Schmerz ein Schatz vergraben ist. Das wenn wir uns annehmen und sanft nach innen Lauschen Dinge in Bewegung kommen.

Wir laden dich herzlich ein dabei zu sein.

 

Let´s create magic

Larissa & Milena

von Milena Klingel
Als Gründerin von Boost your Om ist es Milena ein Herzensanliegen alle ihre Erfahrungen aus langjähriger Tätigkeit als Ergotherapeutin und Yogalehrerin jetzt mit noch mehr Menschen teilen zu können. Kreativ, wild und frei lädt sie immer wieder dazu ein der inneren Stimme zu vertrauen und im Alltag ein Leben voller Selbstliebe und Magie zu verwirklichen.

    2 Kommentare

  1. Mitradeva 3. Oktober 2016 at 13:24 Antworten

    Liebe Milena, Dein Artikel lässt mich mit einigen Fragen zurück. Es geht doch um einen Workshop, auf dem die Teilnehmer gemeinsam mit Dir und einer Kollegin ihre Erfahrung mit Schmerz thematisieren? Dazu führst Du Patanjalis Lehre von der 5 Kleshas an, weil es im ersten Klesha heißt, Leiden kommt aus Avidya, dem Unwissen über das wahre Selbst. Du listest dann die 5 Kleshas auf, bietest zu jedem eine stichwortartige Erläuterung an und sagst, es wäre zwar nicht ganz so einfach, die Angst vor dem Tod zu überwinden, aber wir könnten uns dabei auf dem Workshop unterstützen. Wie kann ich mir das vorstellen? Soll Patanjali dabei als Leitfaden dienen und wenn ja, wie genau?

    Ich habe den Eindruck, Du stellst uns Patanjalis Lehre von den 5 Kleshas als scheinbar unlösbare Aufgabe vor, die darin bestehen soll, die Angst vor dem Tod zu überwinden und jene 5-fache Fessel der Anhaftungen an die Welt loszulassen.
    Dabei verstehe ich Patanjali als eine praktische Hilfestellung zur Selbstbefragung, bei der ich in jeder leidvollen Situation des Lebens fragen kann, um was für eine Art von Leidens es sich gerade handelt und wodurch ich es verursacht habe. Ein Klesha wird dabei immer von dem unmittelbar vorhergehenden verursacht. Angst vor dem Tod beruht also auf Ablehnung, Ablehnung auf Begierde, Begierde auf Anhaftung, und Anhaftung auf Unwissen.

    Natürlich wäre es eine fast unlösbare Aufgabe, würde ich versuchen, die Angst vor dem Tod einfach so loszulassen. Verstehe ich aber einmal, wie sie zustande gekommen ist und über welche Stufen ich mich dahin entwickelt habe, dann wird daraus ein Schritt für Schritt gangbarer Weg. Vielleicht macht erst das die Yoga-Sutren zu einem Klassiker. So habe ich es in der Philosophievorlesung von Yogini Kaliji verstanden.

    Zum Schluss möchte ich noch auf ein Detail in Deiner Erläuterung des 3. Kleshas eingehen, welches mir in einem Zusammenhang zum 4. Klehsa und damit zum Thema des Workshops zu den Schmerzen zu stehen scheint. Das 3. Klesha ist die Begierde oder, wie Du sagst, das Streben nach schöner Erfahrung, von der wir annehmen, darin echtes Glück zu finden.
    Doch muss das Streben nach schöner Erfahrung wirklich immer ein Klesha sein, also eine Blockade? Gilt das nicht nur dann, wenn wir dabei im Unwissen sind über die wahre Natur des Selbst und uns deshalb irrtümlich mit dem Vegränglichen identifizieren?

    Ich weiß nicht, ob meine Fragen und Anregungen Dich inspirieren können. Ich finde es jedenfalls super, dass Du so entschlossen auf Deinem Yogaweg bist und das mit lieben Menschen teilst.

    • Milena Klingel 3. Oktober 2016 at 17:14 Antworten

      Lieber Mitra,
      vielen lieben Dank für deinen Beitrag. Ich wollte nicht den Eindruck erwecken, Patanjalis Lehre von den 5 Kleshas sei eine unlösbare Aufgabe. Ganz im Gegenteil verstehe ich sie auch als eine praktische Hilfestellung, und als solche wird es auch in den Workshop eingebaut werden. Jedoch wollte ich zum Ausdruck bringen, dass wir uns diesen oftmals so abstrakt klingenden Theorien spielerisch nähern dürfen… mein Ansatz ist dabei sehr praktisch und hat nicht in erster Linie mit „verstehen“ im kognitiven Sinne zu tun. Der ganze Workshop soll eine Art Laboratorium sein, indem gemeinsam mit verschieden Medien exploriert wird. Die letzte Frage, die du aufwirfst, finde ich auch sehr spannend. Ich glaube, nicht das das Streben nach schöner Erfahrung immer ein Klesha ist. Ich denke, es ist sehr wichtig für die persönliche WEiterentwicklung sich auf das Gute und Schöne zu fokussieren, denn Enegie folgt der Aufmerksamkeit. Jedoch dürfen die anderen Aspekte und Anteile dabei nicht verleugnet werden. Wenn ich mir mit dem Wissen um mein wahres Selbst auch die „dunklen“ Anteile in mir anschaue, dann halte ich das für sehr Wichtig. Danke für die Inspiration und die lieben Worte 🙏🏼

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